📼 Mietrechtsreform beschlossen, BĂŒros werden Wohnungen

Bild: Thomas Plets

Guten Morgen. Heute ist Sonntag, der 3. Mai 2026. Diese Woche hatte politisch einiges zu bieten. Das Bundeskabinett hat am Mittwoch die Mietrechtsreform „Miete II" beschlossen — ein Einschnitt, der möblierte Vermietung, Indexmieten und KurzzeitmietvertrĂ€ge grundlegend neu regelt. Gleichzeitig laufen die Neuvertragsmieten in DĂŒsseldorf und Köln mit fast sechs Prozent Anstieg heiß. Und das Bundesbauministerium setzt auf einen ungewöhnlichen Weg, um Wohnraum zu schaffen: leerstehende BĂŒros sollen zu Wohnungen werden — mit bis zu 30.000 Euro Zuschuss pro Einheit. Ob das reicht, ist eine andere Frage. Alles Wichtige, kompakt.

Diese Woche im Newsletter:

⚖ Kabinett beschließt Mietrechtsreform „Miete II"

🏱 Neues Förderprogramm: BĂŒros werden zu Wohnungen

📈 Neuvertragsmieten: DĂŒsseldorf +5,9 %, Köln +5,7 %

💰 Investmentmarkt Q1 2026: 8,6 Milliarden Euro, +20 % zum Vorjahr

đŸ—ïž DĂŒsseldorf: „Deiker Höfe" wechseln den EigentĂŒmer

đŸ„ Gesundheitsimmobilien: Transaktionsvolumen steigt um 65 %

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Politik & Regulierung

‱ Bundeskabinett beschließt Mietrechtsreform „Miete II": Das Kabinett hat am 29. April 2026 den Gesetzentwurf zur Mietrechtsreform beschlossen. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig legte das Paket vor. Der Entwurf geht jetzt ins parlamentarische Verfahren — Änderungen sind dort noch möglich.

Details: Die Reform greift in fĂŒnf Bereiche ein. Indexmieten werden gedeckelt: In Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt darf nur noch die HĂ€lfte der Preissteigerung auf die Miete umgelegt werden, wenn die Inflation drei Prozent ĂŒbersteigt. MöblierungszuschlĂ€ge mĂŒssen kĂŒnftig separat und transparent ausgewiesen werden — Grundlage ist der Zeitwert der Möbel. KurzzeitmietvertrĂ€ge werden auf maximal sechs Monate begrenzt. Wer lĂ€nger vermietet, fĂ€llt automatisch unter die Mietpreisbremse. ZusĂ€tzlich wird die Wertgrenze fĂŒr das vereinfachte Modernisierungsverfahren von 10.000 auf 20.000 Euro angehoben.

Reaktionen: MieterverbĂ€nde begrĂŒĂŸen die Reform als ĂŒberfĂ€llig. Die Immobilienwirtschaft ĂŒbt deutliche Kritik — insbesondere die Indexmietendeckelung treffe Vermieter, die auf Wertsicherung gesetzt hĂ€tten. Wichtig: Die meisten Regelungen gelten nur in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt, nicht bundesweit.

‱ Bundesbauministerium startet Förderprogramm „Gewerbe zu Wohnen": Ab dem 1. Juli 2026 fördert der Bund den Umbau leerstehender BĂŒros und Gewerbeimmobilien zu Wohnraum. Pro entstehender Wohneinheit gibt es einen nicht rĂŒckzahlbaren Zuschuss von bis zu 30.000 Euro. FĂŒr 2026 stehen insgesamt 300 Millionen Euro bereit.

Details: Die Förderung ist an eine energetische Sanierung auf mindestens den Standard „Effizienzhaus 85 Erneuerbare Energien" geknĂŒpft. Antragsberechtigt sind alle Investoren sowie Selbstnutzer. Pro Unternehmen gilt eine Gesamtdeckelung von 300.000 Euro. Die Förderung kann mit bestehenden KfW-Programmen kombiniert werden. AntrĂ€ge mĂŒssen vor Vorhabenbeginn gestellt werden.

Hintergrund: In den sieben grĂ¶ĂŸten deutschen StĂ€dten standen Ende 2025 laut JLL rund 8,1 Millionen Quadratmeter BĂŒroflĂ€che leer — wĂ€hrend gleichzeitig bundesweit schĂ€tzungsweise 1,4 Millionen Wohnungen fehlen.

‱ Erstmals eine Milliarde Euro fĂŒr stĂ€dtebauliche Entwicklung: FĂŒr das Jahr 2026 stellt der Bund erstmals eine Milliarde Euro fĂŒr Stadtumbau, Sanierungsprogramme und die Weiterentwicklung von Ortskernen bereit — 210 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Bis zum Ende der Legislaturperiode sollen die Mittel auf knapp 1,6 Milliarden Euro steigen.

Mieten

‱ Neuvertragsmieten steigen stark — DĂŒsseldorf und Köln fĂŒhren: Laut IW-Wohnindex fĂŒr das erste Quartal 2026 sind die Neuvertragsmieten bundesweit um durchschnittlich 3,5 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr gestiegen. DĂŒsseldorf verzeichnet mit plus 5,9 Prozent den stĂ€rksten Anstieg unter den Metropolen, gefolgt von Köln mit plus 5,7 Prozent und Hamburg mit plus 5,1 Prozent.

Details: Berlin bildet die Ausnahme — hier sanken die Neuvertragsmieten um 0,8 Prozent. Experten fĂŒhren das auf eine Korrekturphase nach dem Auslaufen frĂŒherer Mietbegrenzungsmodelle zurĂŒck. Bundesweit fehlen schĂ€tzungsweise 900.000 Sozialwohnungen. FĂŒr 2026 rechnet die Branche mit rund 230.000 Fertigstellungen — weit unter dem politischen Ziel von 400.000.

‱ Baugenehmigungen im Februar 2026: +24 % gegenĂŒber Vorjahr: Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) wurden im Februar 2026 in Deutschland 22.200 Wohnungen genehmigt — 24,1 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Im Neubaubereich allein stieg die Zahl um 30,6 Prozent auf 19.000 Einheiten.

Details: MehrfamilienhĂ€user fĂŒhren mit 21.900 genehmigten Einheiten (+18 %), EinfamilienhĂ€user folgen mit 7.800 (+14,2 %). Im Zeitraum Januar bis Februar 2026 wurden insgesamt 41.700 Wohnungen genehmigt — ein Plus von 16,2 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahreszeitraum.

‱ Mietpreisbremse gilt jetzt bis Ende 2029: Die Mietpreisbremse wurde bereits im Rahmen von „Mietrecht I" im Jahr 2025 verlĂ€ngert. Sie begrenzt Neuvermietungen in ausgewiesenen Gebieten auf maximal zehn Prozent ĂŒber der ortsĂŒblichen Vergleichsmiete. Das Bundesverfassungsgericht hat die Regelung zuletzt erneut fĂŒr verfassungsgemĂ€ĂŸ erklĂ€rt.

Investments & Transaktionen

‱ Investmentmarkt Q1 2026: 8,6 Milliarden Euro — Erholung setzt sich fort: Laut CBRE belief sich das Immobilientransaktionsvolumen in Deutschland im ersten Quartal 2026 auf rund 8,6 Milliarden Euro — knapp 20 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. BĂŒroimmobilien waren mit rund 2,1 Milliarden Euro die stĂ€rkste Assetklasse.

Details: InlĂ€ndische Investoren dominierten mit rund 5,1 Milliarden Euro und 60 Prozent Marktanteil. Das durchschnittliche Volumen pro Abschluss sank um zehn Prozent auf knapp 22 Millionen Euro. Großvolumige Deals ĂŒber 100 Millionen Euro bleiben die Ausnahme — im ersten Quartal wurden 16 solcher AbschlĂŒsse registriert. CBRE-Experte Marcus Lemli: „Cashflow ist King. Hinsichtlich neuer Prozesse sind viele Akteure spĂŒrbar vorsichtiger geworden."

‱ DĂŒsseldorf: „Deiker Höfe" wechseln den EigentĂŒmer: In DĂŒsseldorf hat HIH Invest das Neubauquartier „Deiker Höfe" erworben. Der Deal trug maßgeblich dazu bei, dass DĂŒsseldorf im ersten Quartal 2026 mit einem Transaktionsvolumen von 465 Millionen Euro einen Anstieg von 532 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahresquartal verzeichnete.

‱ Gesundheitsimmobilien legen deutlich zu: Der deutsche Gesundheitsimmobilienmarkt erreichte im ersten Quartal 2026 ein Transaktionsvolumen von knapp 1,1 Milliarden Euro — ein Plus von 65 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahreszeitraum. Maßgeblich war die MehrheitsĂŒbernahme von Cofinimmo durch Aedifica, die sich auf das deutsche Portfolio in einem hohen dreistelligen Millionenbereich niederschlug.

Details: Pflegeheime machten 67 Prozent des Volumens aus (717 Millionen Euro, +79 %). Ambulante Gesundheitsimmobilien folgten mit 247 Millionen Euro (+174 %). Die Assetklasse gilt zunehmend als stabil und demografisch gut abgesichert.

Das war die Ausgabe dieser Woche. Bis zum nÀchsten Sonntag.

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đŸ—ïž Neubau: Bund investiert Milliarden, Baukrise bleibt